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Froschprinzessin Teil II

Froschprinzessin Teil II

Beitragvon Dzhiwa » Do Jan 17, 2013 8:31 pm

So ging Iwan-Zarewitsch ganz traurig heim. Freudlos begrüßte er sein Fröschlein und ließ seinen Kopf auf die Arme senken und sagte kein Wort mehr.
„Was bereitet dir solch einen Kummer, Iwan-Zarewitsch?“, fragte ihn sein Fröschlein, „Oder schmeckte etwa mein Brot deinem Fater schlecht?“
„Ach, Fröschlein“, erwiderte traurig Iwan-Zarewitsch, „Das Brot schmeckte meinem Fater sehr gut sogar. Aber wie soll ich ohne Sorge sein? Heute Abend sollen wir alle bei meinem Fater im Palast erscheinen, fein gekleidet, und feiern....Wie soll denn das nun von statten gehen?!“. Und er weinte bitterlich. Das Fröcshlein lächelte sanft, strich Iwan-Zarewitsch übers Haar und sagte:
„Sei ohne Kummer, Iwan-Zarewitsch. Ich komme schon, aber später. Gehe ins Palast deines Faters und warte dort auf mich. Sobald du Rattern und Donnern hörst, weißt du, dass ich komme.“
So war es dann auch. Alle waren am Palast gesammelt, nur Iwan-Zarewitsch war allein. Seine Brüder lachten über ihn schon: „Na, wo hast denn deine Liebste gelassen? Wo hast denn so eine Schönheit bloß gefunden, musst wohl alle Tümpel abgesucht haben, was !“ Auf einmal hörten alle das schrecklich laute Rattern und Donnern. Die Bräute der älteren Brüder und die Brüder selbst bekamen Schreck und versteckten sich. Iwan-Zarewitsch aber erstrahlte in seinem Antlitz und eilte an den Eingang. Dort sah er eine wunderschöne Kutsche mit starken Pferden stehen und von der Kutsche stieg ….eine wunderschöne Maid, seine Wassilissa, die Weise, herunter. Vor Verwunderung konnte Iwan-Zarewitsch kein Wort über die Lippen bringen. So strahlend schön war seine Braut. Der Zar und alle Menschen im Palast waren eben so wortlos vor Staunen. Nun trat sie in den Festsaal und alles leuchtete.
Da gingen alle Gäste an die Festtafel. Sie aßen und tranken, Wassilissa nippte an ihrem Kelch und aß etwas von erlesenen Speisen. Wassilissa schüttelte die Reste des Trunkes in ihren linken Ärmel hinein. Die Knochen vom Schwangeflügel steckte sie in ihren rechten Ärmel. Ihre Schwägerinnen beobachteten heimlich, was und wie sie tat und machten es ihr nach. Und dann ging Wassilissa mit ihrem Iwan-Zarewitsch tanzen. Keiner konnte so anmutig und schön tanzen. Da schwang sie mit ihrem linken Arm und so erschien ein blauer See mitten im Festsaal! So schwang sie mit ihrem rechten Arm und da schwammen weiße Schwäne über das Wasser! Der Zar und all die Gäste waren erstaunt und konnten vor Staunen kein Wort reden.
Da gingen auch die Schwägerinnen tanzen. So schwangen sie ihre linken Arme und spritzten alle Gäste nass! Schwangen sie mit ihren rechten Armen, da trafen die Knochen dem Zaren genau ins Auge!
„Au weia! Wollt ihr den Zaren etwa töten?!“, rief der Zar voller Zorn und jagte sie von der Festtafel weg.
Iwan-Zarewitsch lief indes in seinen Palast, eilte ins Gemach und erblickte da die Froschhaut und warf sie sogleich in den Ofen. Die Haut zischte, warf Funken und schwand im selben Augenblick. Da kam seine Wassilissa heim. Sie wollte ihre Froschhaut wieder anziehen und fand sie nirgends.
Sehr traurig und betrübt wurde sie und sagte Iwan-Zarewitsch:
„Ach, Iwan-Zarewitsch, was hast du denn angerichtet? Hättest du nur diese eine Nacht durchgehalten, so wäre ich für immer und ewig deine gewesen. Nun muss ich fort von hier. Leb wohl! Suche mich hinter drei mal neuen Erden, im dreizehnten Reich, beim Kaschtschej, dem sterblichen Teufel. “
Kaum sagte sie das, so wurde sie ein Schwan/Taube und flog durch das Fenster davon.
Iwan-Zarewitsch weinte bitterlich, holte den Segen seines Faters und der lichten Götter und ging auf die weite Reise.
Ob seine Reise weit oder nah, lang oder kurz war, weiß keiner. Bloß traf er auf seinem Wege einen alten Mann.
„Heil und Wohl dir, junger Mann!“, sagte der Alte. „Was suchst, wohin des Weges?“
Iwan-Zarewitsch erzählte dem alten Mann alles, wie es war.
„Och, Iwan-Zarewitsch, Wieso hast du denn die Froschhaut verbrannt? Hast du sie etwa deiner Liebsten angezogen? Also wird sie auch jemand anders wieder wegziehen. Die weise Wassilissa ist klüger und schlauer geraten als ihr Fater, der Wasserzar. So nahm er ihr das übel und ließ sie drei Jahre lang in Froschgestalt weilen. Bis sie jemand in dieser Gestalt lieb gewinnt und als Frau nimmt. Du hättest bloß ein Tag und eine Nacht noch warten sollen. Nun ja, so ist es jetzt aber anders. Hier ist das wegweisende Knäuel, wo es hin rollt, da gehst du auch.“
Iwan-Zarewitsch dankte dem alten Mann und ging hinter dem Knäuel her.
So ging er durchs reine Feld, er hatte Hunger und sah auf einmal einen Bären. Kaum spannte er seinen Bogen, als der Bär ihm mit menschlicher Stimme sagte:
„Lass mich leben, Iwan-Zarewitsch. Ich werd dir noch einst etwas gutes tun.“
Iwan-Zarewitsch seufzte tief, ließ seinen Bogen herunter und ging weiter.
Da erblickte er einen Hasen durch das Feld laufen. „Nun“, dachte er, „diesmal werd ich satt.“
Aber der Hase sagte ihm mit menschlicher Stimme:
„Iwan-Zarewitsch, lass mich am Leben. Ich werd dir noch einst etwas gutes tun.“
Iwan-Zarewitsch seufzte tief, ließ seinen Bogen herunter und ging weiter.
Da erblickte er einen Erpel am Himmel. So zielte er schon auf ihn, als der Erpel mit menschlicher Stimme sagte. „Lass mich leben, Iwan-Zarewitsch. Ich werd dir noch einst etwas gutes tun.“
So hatte Iwan-Zarewitsch Mitgefühl mit ihm und ließ ihn fliegen.
So kam er an das blaue Meer. Am Ufer erblickte er einen Hecht im Sand liegen und sterben.
„Ach, Iwan-Zarewitsch“, bat ihn der Hecht, „Hab Erbarmen mit mir, lass mich ins blaue Meer.“
Iwan-Zarewitsch warf den Hecht ins Meer und ging dem Knäule hinterher.
Bald kam er an eine Holzhütte (auf Steinbeinen). Dort blieb das Knäuel stehen.
Iwan-Zarewitsch bat die Hütte:
„Hüttchen, Hüttchen, stell dich hin, wie die Mutter dich einst gestellt: Mit der Vorderseite an mich, mit der Rückseite ans Meer.“ Die Hütte drehte sich mit der Rückseite ans Meer und mit der Vorderseite an Iwan-Zarewitsch. Er trat hinein und sah: Auf dem Ofen, auf dem neunten Stein saß Großmütterchen.
„Heil und Wohl dir, junger Mann! Was bringt dich in meine Hütte?“
„Na, erst sollst du mich in der Banja reine schwitzen, Essen und Trinken geben, und dann erst Fragen stellen!“, erwiderte Iwan-Zarewitsch.
Großmütterchen ließ ihn in der Banja reine schwitzen, gab ihm Essen und Trinken und Iwan-Zarewitsch erzählte ihr, dass er seine Frau, die weise Wassilissa sucht.
„Ja, ich weiß es“, erwiderte Großmütterchen, „Sie ist jetzt bei dem Kaschtschej, dem Teufel des Todes. Es wird schwer sein, dass du sie wieder für dich gewinnst, den Kaschtschej besiegst. Aber es geht. Sein Tod ist am Ende der Nadel (am Korn), die Nadel ist im Ei, das Ei in einer Ente, die Ente in einem Hasen, der Hase im der Truhe und die Truhe steht auf einer hohen Eiche und diese Eiche hütet Kaschtschej wie sein Augapfel.“
Da zeigte ihm Großmütterchen, wo die Eiche wuchs.
So kam Iwan-Zarewitsch dahin und wusste kein Rat, wie er an die Truhe gelangen soll. Auf einmal erschien der Bär vor ihm und riss die Eiche samt Wurzelwerk heraus. Die Truhe fiel herunter und zerbrach in Tausend Scherben. Da sprang der Hase und rannte davon, ehe er sich versehen konnte, holte ihn der andere Hase ein und riss ihn in kleine Fetzen. Da flog die Ente empor, in den Himmel, ganz oben war sie schon. Da kam der Erpel angeflogen, schlug die Ente, so dass sie sogleich das Ei fallen ließ. Das Ei fiel ins Meer. Iwan-Zarewitsch sah das Unheil und war schon Tränen nahe. Da schwamm der Hecht an den Ufer und hielt vorsichtig das Ei in den Zähnen.
Iwan-Zarewitsch nahm das Ei, schlug es und holte die Nadel (das Korn) hervor. Dann brach er die Spitze ab und im selben Augenblick starb der Kaschtschej, der Teufel des Todes. Iwan-Zarewitsch holte die weise Wassilissa ans Licht und machte sich mit ihr auf den Heimweg. Und der Bär und der Hase und der Erpel begleiteten sie dabei.
Daheim angekommen, feierten sie noch schön und danach lebten sie lange und glücklich.
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